Regenschwer

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10.     Tag

Ich werde von Trommeln geweckt. Verschlafen spähe ich aus meinem Zelt. Es sind keine Trommeln. Es sind wieder Pferdehufe. Ein Reiter treibt seine Pferdeherde über die Ebene. Was für eine wunderschöne Stimmung!

 

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Ich bleibe im Schlafsack und setze mich darin ins Vorzelt um die frühmorgendliche Schönheit zu genießen. Wie wundervoll die noch tiefstehende Sonne die Hügel vor dem dunklen Himmel in Szene setzt… ich stutze bei dem Gedanken. Dunkler Himmel!?

 

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Schnell stelle ich mir den Topf auf den Kocher, doch bevor das Wasser zu kochen beginnt fängt es schon zu tröpfeln an. Und kaum dass ich die Suppe aufgegessen habe schüttet es. Während ich warte und zu frieren beginne, überlege ich mir wie es hier wohl im Winter sein mag, wenn es ständig um die minus 30 Grad hat!? 

 

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Bei einer kurzen Regenpause baue ich das Zelt ab und stapfe los. Der Regen wird stärker. Ich komme an ein paar Pferden vorbei, die mit hängenden Köpfen im Regen stehen, später an einer Rinderherde. Deren Leittier, ein großer Stier, betrachtet mich schnaubend. Stört ihn meine rote Regenjacke? Ich gehe möglichst gleichgültig meines Weges um ihn nicht zu reizen.

 

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Wieder Trommeln. Ein einsamer Reiter galoppiert auf mich zu. Er bremst ab, wir grüßen uns. Uns beiden tropft der Regen ins Gesicht, in den Nacken. Sein bestickter Terleg, die mongolische Sommerjacke ist tropfnass. Aber auch meine Goretex-jacke hält nicht mehr dicht. Er frägt mich wohl, ob alles ok sei. Ich winke. Ja, alles ok. Er gibt seinem Tier die Sporen. Ich trotte dahin. Bei einer Bachquerung kippt ein Trittstein und beide Bergschuhe sind nass, innen wie außen. Die Kälte kriecht in mir hinauf. Ich möchte ins Trockene! In die Zivilisation! Ich laufe ohne Pause, wie eine Maschine. Der Regen wird immer heftiger. Wind kommt hinzu. Ein paar Stunden später erreiche ich die ersten Jurten. Der Boden ist aufgeweicht und glitschig. 

 

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Es geht noch eine Stunde unverändert weiter bis ich völlig durchnässt Terelj erreiche. Vor dem Fluss baue ich rasch mein Zelt auf und verkrieche mich darin. Ich zittere. Mein gesamtes Gepäck ist nass, auch der Schlafsack. Irgendwie ist der Regen auch durch die Plastiktüten gegangen. Ein paar Reiter passieren nahe meinem Zelt den Fluss. Ich beschließe das Hotel zu suchen. Ich lass das Zelt stehen, nehme nur das Nötigste mit und balanciere über die glitschige Baumstamm-Brücke und den Steg.  

 

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Das Hotel UlaanBaatar II sieht innen genauso desolat aus wie außen. Aber hier ist es trocken! Ich erhalte ein relativ großes Zimmer mit eigenem Bad, mit Badewanne! Ich geh wieder zum Zelt zurück und hole den Rucksack. Ein heißes Bad, ja das wär’s jetzt! Ich drehe den Hahn auf und eine braune kochendheiße Brühe kommt heraus. Auch bei längerem Laufenlassen des Wassers ändert sich das nicht. Egal. Beim kleinen Waschbecken kommt kaltes Wasser aus dem Wasserhahn, das ich mit meinem Topf in die dampfende Badewanne umschütte. Ich lege mich mitsamt meinen dreckigen Klamotten hinein, wasche mich und meine Kleidung durch. Dann die ganze Umschüttprozedur erneut zum „Klarspülen“, und hänge die Kleidung zum Trocknen überall im Zimmer auf. Mir ist wieder warm geworden.

Der Föhn funktioniert nicht, aus dem Wasserkocher hängt nur ein Kabel mit losen Drähten ohne Stecker, ebenso beim Fernseher. Der Putz blättert von den Wänden. Ich koch mir mit meinem Gaskocher eine Tüte Nudeln, denn im Hotel gibt es nichts zu Essen. Aber es gibt WLAN!

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Der Ovoo von Terelj

 

Später erzählt mir ein Mongole die Regierung hätte sich entscheiden müssen zwischen dem Ausbau des Straßennetzes und dem des Funknetzes, da für beide nicht genug Finanzmittel da wären. Sie hat sich für den Bau von Mobilfunk-Sendemasten entschieden, da das für die Bevölkerung wichtiger wäre. So hat man an manch entlegener Stelle Empfang, kommt dort jedoch nur mit Pferd oder Geländefahrzeug hin.

Gegen Abend hört es zu regnen auf und ich kann mein Zelt in Ruhe abbauen. Auf der anderen Flussseite tauchen zwei Motoradfahrer auf. Sie suchen eine Furt. Ich beobachte wie sie durch die Flussarme schlingern und nur mit Mühe das östliche Ufer erreichen. Sie bleiben bei mir stehen. Es ist ein Engländer mit seinem mongolischen Guide. Sie wollen dem Tereljiin flussabwärts, weglos und auf Fahrspuren, 50 km bis zum Dschinggis Khan Monument folgen. Wir plaudern eine Weile, dann rattern sie davon.  Sie haben ja noch einiges vor. Ich aber gehe auf mein Zimmer, poste ein Lebenszeichen und falle in Tiefschlaf.  

 

Dschinggis Khan

 

 

11. Tag   Gorkhiinam  

 

 

 

 

 

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