Zurück in der Zivilisation - Gandan Kloster

 

14.     und 15.Tag

Zum Frühstück gibt es Toast mit Würstel. Es regnet leicht. Ich schaue bei „Mary und Martha“, einem Fairtrade-Souvenir-und Kunsthandwerk-Laden vorbei. Ich kaufe ein paar Mitbringsel aus recycelten Yurtenbehängen und setze mich anschließend ins Cafe Bene, von der koreanischen  „Starbuck“-Kette. Da gibt es Cafe Latte und leckere Kuchen. Am Nachmittag besuche ich das mongolische Nationalmuseum. Ich bin besonders von den Objekten aus der Frühgeschichte und von den mongolischen Trachten fasziniert. Auf dem Zimmer koche ich mir meine letzte Nudelpackung.

 

Ulaan Baatar

 

Tags darauf lass ich mir die deponierte Tasche geben und pack den Rucksack um. Zelt und Kocher brauche ich jetzt nicht mehr, dafür ein paar Klamotten mehr. Die Tasche kann ich wieder im Hotel lassen, da ich die allerletzte Nacht auch hier gebucht habe. Der Rucksack ist nun um Einiges leichter. Ich wandere die Peace Avenue hinunter auf der Suche nach dem Hotel Decor, in dem sich am nächsten Morgen alle Teilnehmer am Schamanen-Camp treffen wollen. Ich kann keine Straßenschilder noch Hausnummern finden oder lesen. Nach ein paar Kilometern frage ich einen Passanten. Er spricht leidlich Englisch. Yes…kennt er! Er führt mich, kreuz und quer…zum Bahnhof! Toll! Danke! Ich kehre wieder zur Peace Avenue zurück und finde endlich das Hotel versteckt hinter einer Baustelle. Es ist etwas abgelegen, dafür komfortabler als das Sant Asar.

 

Gandan

 

Die Sonne scheint. Ich mach mich auf zum Gandantegchinlen Kloster, das von hier nicht so weit entfernt liegt. Dort praktizieren noch über 800 buddhistische Mönche. Ein großer Bezirk mit zahlreichen Stupas, Tempeln und Nebengebäuden. In den 30er Jahren wurden die meisten Tempel in der Mongolei vom kommunistischen Regime zerstört und über 15Tausend Lamas getötet. Dieses Kloster hatte das Massaker und die Zerstörung überlebt.  

 

Gandan

 

Im Haupttempel befindet sich die 26 Meter hohe Statue von Janraisig, dem Bodhisattva des Mitgefühls. Sie ist aus vergoldetem Kupfer und die größte Statue der Welt, die in einem Innenraum steht.  

 

Gandan

 

Die Inbrunst mit der die Besucher sich hier verhalten, beten, sich verbeugen und an den hunderten goldenen Gebetsmühlen drehen ist ergreifend, und macht mich irgendwie zum Voyeur. Es herrscht eine sehr feierliche Stimmung im Inneren. Die Mönche singen.

 

Gandan

 

Um das Kloster herum steht eine wilde Mischung aus Jurten, Holzhütten und gemauerten Häuschen. Nur die Hauptstraße ist asphaltiert, dazwischen Schotterstraßen. Ich wandere in Richtung Zentrum. Ein paar Geschäfte mit schmutzigen Auslagen. Da schau ich durch das geputzte Fenster eines Frisörs. Impulsiv betrete ich den kleinen Raum. Da stehen zwei Frisörsessel. Ein etwa 30-jähriger Mongole sieht mich erstaunt an. Ich mach mit Zeige- und Mittelfinger ein Zeichen für Schere. Er nickt und lässt mich auf einem der Sessel Platz nehmen. Er wühlt missbilligend in meinen Haaren. Ich zeige 3 cm zwischen Daumen und Zeigefinger und entlang meiner unteren Haarkante. Er nickt wieder. Er führt mich in ein Hinterzimmer. Ein Stuhl, zwei große Eimer, ein Waschbecken. Kein fließend Wasser! Mit einer großen Schöpfkelle schüttet er mir kaltes Wasser über den Kopf, eine Unmenge Shampoo und lässt mir dann eine vorzügliche Kopfmassage angedeihen. Wieder beim Schneidestuhl legt er los…da fallen die Zentimeter. Mir stockt der Atem.

Am Ende ist es der beste Haarschnitt den ich seit Langem erhalten habe.

Dieses Land, einstmals ein mächtiges Reich, war im letzten Jahrhundert jahrzehntelang eine Art Kolonie der Sowjetunion. Ein Drittel des mongolischen Bruttosozialproduktes machten der Handel mit Russland und deren Subventionen aus. Mit der Perestroika und der demokratischen, friedlich erreichten Unabhängigkeit fielen die Unterstützung, Organisation und Strukturen, und dieses Drittel, von heute auf morgen weg. Davon muss sich die Mongolei erst erholen.

Ich spaziere zum Hotel zurück und bin dort im Restaurant mal wieder der einzige Gast.

 

Bei Schamanen  

 

 

 

 

 

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